Zwischenbilanz des neuen Einwanderungsrechts Die Tore nun wieder auf. Die alles entscheidende Punktezahl der sog. Skilled Migrant Category, anhand der sich die Einwanderer qualifizieren, die nicht über eine der Businesskategorien reinkommen, ist innerhalb von 6 Monaten von 195 auf 100 gesunken. Was bedeutet das im Klartext? Wir sind jetzt ziemlich genau wieder da, wo wir waren, zum gleichen Zeitpunkt letztes Jahr, als die größte Einwanderungsreform seit 20 Jahren angekündigt wurde. Oder anders (simplifiziert) ausgedrückt, wer sich vor der großen Reform qualifizierte, kommt jetzt auch rein – von ein paar Ausnahmen im positiven wie im negativen abgesehen. Man darf fragen, was das Ganze eigentlich sollte! Wer kommt also rein? Die Frage läßt sich nicht einfach und kurz beantworten. Manch einer braucht einen Job Offer andere kommen ohne Job Offer aus und manche qualifizieren sich sogar ohne Ausbildung. Hier ist ein Beispiel, wie es ohne Job Offer klappen könnte: Ein 39-jähriger KFZ-Mechaniker mit Meisterbrief und mit 10 Jahren Berufserfahrung kommt ohne Job Offer rein. Ein erfolgreicher Einwanderungsangtrag für Leute ohne anerkannte Ausbildung (also z.B. eine Kaufmannslehre, die einwanderungstechnisch leider wertlos ist) könnte so aussehen: Job Offer im Management eines Herstellers von Exportgütern in Wanganui, mindestens 10 Jahre Berufserfahrung im Vertrieb oder Management, Alter: zwischen 30 und 44 Jahren. Wo sind die schlimmsten Stolpersteine? Die Ausbildung wird nicht anerkannt: das kann sogar in den eigentlich auf dem Arbeitsmarkt begehrten Handwerksberufen passieren, wenn man nicht den richtigen Level erreicht. Dieses Erfordernis ist mit der “großen Reform” eingeführt worden und wird weiter für viele böse Überraschungen unter hoffnungsvollen Antragstellern führen. Oder die Berufserfahrung wird nicht als sog. Skilled Employment anerkannt. Die Definition von Skilled Employment ist eine Wissenschaft für sich. Maßstab ist eine über 200 Seiten dicke Aufstellung von Berufsbildern, wo man aufpassen muß, dass man nicht unter die falsche Kategorie fällt. Auch hier werden viele “aus allen Wolken fallen” wenn sie dann erfahren, dass ihre Berufserfahrung oder der Job, den sie bekommen haben, nicht Skilled Employment ist – also unqualifizierte Arbeit! Mr Paul Swain, unser Einwanderungsminister, wird sagen, dass das alles seinen guten Grund hat, denn schließlich will man ja nur qualifizierte Leute haben, die sich hier in Neuseeland auch beruflich sinnvoll einbringen können. Aber funktioniert das komplizierte Regelwerk? In manchen Fällen steht das Urteil noch aus – so bei einem Fließenlegermeister, der jetzt darum bangt, dass er unter Major Group 7, Sub-Major Group 71, Minor Group 711, Unit Group 71111 Bricklayer and/or Blocklayer fällt. Eigentlich ja nicht, denn ein Maurer ist eben kein Fließenleger – oder doch? Hoffnung besteht, da unter der Kategorie Bricklayer (Maurer) eine Spezialisierung “Tile Setter” aufgeführt wird. Das Einwanderungsschicksal unseres Fließenlegers aus Auckland war also u.U. schon vorbestimmt, als der liebe Mann sich in seiner Jugend dazu entschloß, dass er lieber Steine nebeneinander legt, als aufeinander. Beim Steine mauern hätter er bessere Chancen im neuseeländischen Einwanderungsverfahren gehabt, allerdings hätte er u.U. hier keinen Job gefunden, denn hier werden die Steine meist an die Holzwand zur Dekoration geklebt …- eben nicht gemauert! Warten wir also ab! Es würde mich übrigens nicht überraschen, wenn es hinsichtlich der Anerkennung von Handwerksberufen bald wieder eine Änderung gibt, denn die immer noch stark florierende Bauindustrie beschwert sich immer wieder über den in diesem Gewerbe andauernd bestehenden Arbeitskräftemangel.