Auswandern, aber wann? Auswanderung bleibt ein beliebtes Thema in der deutschen Presse. Erst kuerzlich ist im ADAC Reisemagazin Neuseeland (Januar/Februar 2005) wieder das Thema aufgegriffen worden. Auswanderung verkauft sich also als Thema gut. Fragt sich nur, wieviel von den neugierigen Lesern den Schritt nach Uebersee dann tatsaechlich wagen. Man spielt mit dem Gedanken, liest darueber, aber oft ist dann gerade nicht der richtige Zeitpunkt. Man ist entweder zu alt oder zu jung oder die Kinder sind zu alt oder zu jung oder das Haus oder das Geschaeft verkauft sich gerade nicht gut. Alles nur Ausreden? Wann ist der richtige Zeitpunkt? Zur Veranschaulichung habe ich das Leben einfach mal in vier praegnante Abschnitte unterteilt. Jeder erreicht diese Abschnitte zu einem anderen Zeitpunkt im Leben – die Alterszahlen sind daher nur Anhaltspunkte! 1. Als junger Spund, zwischen 20 und 30? Ueblicherweise wird das als der beste Zeitpunkt angesehen. Man ist noch jung, hat viel Energie, meist noch keine Familie, ist ungebunden – und am wichtigsten: man ist abenteuerlustig! Auch einwanderungstechnisch bietet sich hier eine gute Moeglichkeit: Die neuseelaendische Regierung bietet reise- und abenteuerlustigen Deutschen die Moeglichkeit, mit einem working holiday visa ein Jahr in Neuseeland zu leben und zu arbeiten. Man kann also mal reinschnuppern, wie es sich in Neuseeland lebt und wie schwer oder leicht es ist, hier beruflich Fuss zu fassen. Einzelheiten ueber die working holiday visa koennen Sie bei der neuseelaendischen Botschaft in Berlin erfragen (http://www.nzembassy.com/home.cfm?c=1). Wenn es einem gefaellt und es beruflich klappt, dann kann man sich noch waehrend dieser Zeit um einen sog. Residence Permit (Dauer-Aufenthaltserlaubnis) bemuehen. Wem es nicht gefaellt, der hat wenigstens Auslandserfahrung und Englischkenntnisse gesammelt und kann sich dann wieder auf dem deutschen Arbeitsmarkt verdingen. Nachteil? Einziger Nachteil ist eigentlich, dass man die Karriere- und Verdienstmoeglichkeiten in Deutschland und Europa verpasst. Wer Karriere machen will, sollte nicht Neuseeland ins Auge fassen. Das sehen auch viele junge Neuseelaender so, die oft ins Ausland gehen, um dort Karriere und Geld zu machen. 2. Im bestens Schaffensalter, zwischen 35 und 45? Hier tuemmeln sich die meisten meiner Kunden. Oftmals motiviert vom Wunsch nach Wechsel. Man will raus aus dem Trott, sich beruflich oder geschaeftlich veraendern – und in letzter Zeit ganz oben auf der Liste: WEG AUS DEUTSCHLAND. Weg aus Deutschland, bevor es zu spaet ist, bevor man keine Kraft mehr hat, ganz neu anzufangen. Auch vom Einwanderungsrecht ist das z.Zt. ein guter Zeitpunkt. Ein Beispiel “aus dem Leben”: Ein 39-jaehriger diplomierter Betriebswirt mit 10 Jahren Berufserfahrung und Englischkenntnissen, wird sich unter den z.Zt. geltenden Bedingungen anhand der sog. Skilled Migrant Category fuer den Residence Permit qualifizieren, ohne hier eine Arbeit nachweisen zu muessen. Auch aus finanzieller Sicht oft ein guter Zeitpunkt. Viele bringen ein Startkapital von NZ$ 200.000 – 300.000 mit, ausreichend um sich hier in vielen Gegenden ein gutes Haus leisten zu koennen. 3. Nachdem man alles erreicht hat, zwischen 50 und 60? Eigentlich ein guter Zeitpunkt. Die Kinder sind vielleicht schon aus dem Haus, man hat unter Umstaenden ein gutes Kapitalpolster, was den Start in Neuseeland erleichtert. Die regelmaessigen Rentenzahlungen aus Deutschland stehen auch schon vor der Tuer, man ist also weitgehend finanziell unabhaengig. Problem: Ab 45 wird es schwieriger, den Residence Permit zu bekommen. Man braucht in der Regel einen Job Offer, um sich unter der sog. Skilled Migrant Category fuer den Residence Permit qualifizieren. Auch unter der sog. Investor Category ist die Einwanderung noch unter 45 einfacher, sprich: “billiger”. Wenn man z.B. 10 Jahre Management-, bzw. Geschaeftserfahrung nachweisen kann, braucht man “nur” NZ$ 1 Million nachzuweisen, waehrend im Alter von z.B. 54 dann schon NZ$ 2 Millionen nachgewiesen werden muessen. Unmoeglich? Nein, denn wenn man hier ein Jobangebot nachweisen kann, ist in der Regel auch der Residence Permit in Reichweite. Neuseeland hat zur Zeit die niedrigste Arbeitslosenquote in der entwickelten Welt: 3,6%! 4. Als Rentner, ab 65? Der Traum von vielen! Die Rente aus Deutschland beziehen und hier davon leben. Verglichen mit der neuseelaendischen Rente, sind die Renten der meisten Deutschen hoch. In Neuseeland gibt es eine Einheitsrente. Die betraegt bei Alleinstehenden ca. NZ$900 im Monat. Die meisten deutschen Rentner koennen hier sehr komfortabel von ihrer Rente leben. Grosser Nachteil: Es gibt keinen Residence Permit fuer Rentner! Wer hier also seine deutsche Rente verleben will, muss sich entweder den Residence Permit in einem anderen Lebensabschnitt gesichert haben oder man kann entsprechendes Vermoegen nachweisen, um sich anhand der Investor Category zu qualifizieren, was allerdings nicht jedermanns Sache ist: Als 65- Jaehriger muss man bei mindestens 10 Jahren Management-, bzw. Geschaeftserfahrung immerhin NZ$ 5 Millionen nachweisen. Kein Pappenstiel! Fuer alle Rentner bietet sich allerdings eine Alternative, die manchen ganz gut gefaellt. Man kann mit einem einfachen Touristenvisum abwechselnd 6 Monate in Neuseeland und 6 Monate in der alten Heimat leben. Ein Leben ohne Winter also! Der Erwerb von Immobilien ist fuer Touristen, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, ohne Probleme moeglich. Fazit: Jeder Lebensabschnitt hat seine Vor- und Nachteile. Freunde pauschalisierender Statements finden vielleicht Gefallen an: “Je einfacher das Leben in Neuseeland, desto schwieriger das Einwanderungsverfahren.” Ach ja, und fuer die, die es interessiert, ich war 32 als ich ausgewandert bin und fuehl(t)e mich wie ein junger Spund.